Luxor in Niedersachsen: Tutanchamuns Schätze in Hannover
Als Howard Carter 1922 Tutanchamuns Grab im Tal der Könige entdeckte, begann die Bergung eines außergewöhnlichen Schatzes. In Hannover vermitteln Nachbildungen eine Vorstellung von seiner Fülle. Die Ausstellung führt dabei über die berühmte Totenmaske hinaus: Möbel, Wagen, Schmuck und Gefäße zeigen, wie umfangreich die Ausstattung des Grabes war. Gerade die räumliche Rekonstruktion macht den Unterschied. Die Gegenstände stehen nicht nur einzeln zur Betrachtung bereit, sondern erscheinen auch in ihrem Zusammenhang. So wird aus dem bekannten Bild eines goldenen Pharaos eine anschauliche Begegnung mit seiner Grabausstattung und den Vorstellungen vom Weiterleben nach dem Tod.
Besonders anschaulich wird das in der nachgebauten Vorkammer. Tiergestaltige Liegen stehen zwischen Truhen, Gefäßen und weiteren Gegenständen; darüber liegen Teile zerlegter Wagen. Die dichte Anordnung lenkt den Blick vom einzelnen Schaustück auf die Gesamtheit der Beigaben. Drei rekonstruierte Grabkammern gehören zum Konzept der Ausstellung. Nach Angaben der Ausstellungsbeschreibung wurden die mehr als 800 Nachbildungen von ägyptischen Kunsthandwerkern in Abstimmung mit Ägyptologen gefertigt. Neben den Kammern lassen sich zahlreiche Stücke einzeln betrachten. So werden Verzierungen, Formen und handwerkliche Details erkennbar, die in der gedrängten Fundsituation leicht untergehen. Die bekannte Totenmaske ist dabei nur eines von vielen Motiven: Auch Möbel, Schmuck und Wagen zeigen, wie vielfältig die Ausstattung des königlichen Grabes war.
Der immersive Raum ist ein Höhepunkt der Ausstellung. Bewegte Bilder überziehen die Wände und den Boden, Musik begleitet die Reise durch Geschichte und ägyptische Mythologie. Nur die Decke fehlt noch, um die Inszenierung ringsum vollständig zu machen. Sitzbänke laden dazu ein, sich Zeit zu nehmen und die Bilder wirken zu lassen. Die Darstellung führt zur Entdeckung des Grabes, nach Ägypten und auf Tutanchamuns Weg ins Jenseits. Das Zusammenspiel von Raum, Bildern und Klang ist hervorragend umgesetzt. Nach den dicht gefüllten Kammern öffnet sich hier eine andere Perspektive auf das Thema: Die Schau übersetzt ihre Geschichten in eine großflächige, bewegte Bilderwelt. Diese Inszenierung macht Lust auf weitere Ausstellungen dieser Art und ist eine klare Besuchsempfehlung.
Sarkophage, Streitwagen und Thron setzen weitere Akzente im Rundgang. Die nachgebildeten Särge zeigen, wie sorgfältig Gesicht, Kopfschmuck und Verzierungen gestaltet wurden. Beim Streitwagen fällt der Blick auf Räder, Aufbau und die reich geschmückte Wagenfront. Solche Gegenstände erweitern die Vorstellung vom Grabschatz: Zur Ausstattung gehörten neben Schmuck und Gefäßen auch Fahrzeuge und repräsentative Möbel. Besonders eindrucksvoll ist der Thron mit seiner farbigen Rückenlehne, den goldfarbenen Flächen und den tiergestaltigen Elementen. Hier lohnt sich die Betrachtung aus der Nähe, denn erst dann werden die vielen Einzelheiten der Gestaltung sichtbar. Die Repliken erlauben es, diese Stücke innerhalb eines Rundgangs miteinander zu vergleichen und die Vielfalt der königlichen Grabausstattung über die berühmte Totenmaske hinaus zu erfassen.
Die Ausstellung in der Alten Druckerei, August-Madsack-Straße 1, Hannover, soll laut Aushängen vor Ort weiter verlängert werden. Mittwochs, sonntags und an Feiertagen ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis samstags von 10 bis 20 Uhr. Montags und dienstags bleibt sie geschlossen. Für den Rundgang werden 90 bis 120 Minuten empfohlen. Zeitfenstertickets regeln den Einlass, die Aufenthaltsdauer ist innerhalb der Öffnungszeiten nicht begrenzt. Im Vorverkauf beginnen die Preise bei 18 Euro für Erwachsene und zehn Euro für Kinder von sieben bis 15 Jahren; je nach Besuchstag liegen sie höher. Ein Audioguide ist enthalten. Kostenlose Parkplätze befinden sich direkt am Veranstaltungsort. Die Ausstellung ist rollstuhlgerecht, Texte stehen auf Deutsch und Englisch zur Verfügung. Siehe auch https://sist24.reporters.de/technik/zwoelf_minuten_im_jenseits_handshake_mit_tutanchamun-1565/
Andreas